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Dieter Koch
Der Stern von Bethlehem
ISBN: 978-3-931806-08-8, 157 Seiten
Bevor wir unsere Suche nach dem Geburtsdatum Jesu fortsetzen, wollen wir uns bestehenden Theorien über den Messiasstern zuwenden und sie im Hinblick auf die gewonnenen Schlußfolgerungen bewerten.
Kirchenvater Origenes hat im 2. Jh. zum ersten Mal die Vermutung geäußert, der Messiasstern könnte ein Komet gewesen sein.[1] In vielen Darstellungen, die alljährliche zur Weihnachtszeit auftauchen, hat der Messiasstern auch einen Kometenschweif. Und gewiß leuchtet es auf den ersten Blick ein, daß ein Komet mit seinem Schweif hätte geeignet sein können, um den Magiern buchstäblich einen Weg zu weisen. Gleicht er nicht einem Pfeil? Wer 1997 den Kometen Hale-Bopp gesehen hat, wird dies nachvollziehen können. Allerdings verändert der Komet seine „Zielrichtung“ im Verlaufe seiner Sichtbarkeit, ja selbst im Verlaufe eines Abends oder Morgens beträchtlich.
Unsere bisherige Untersuchung hat ergeben, daß als Messiasstern nur Himmelsphänomene in Betracht kommen, die man damals vorausberechnen konnte. Kometen aber traten für damalige Himmelskundler unvorhersehbar auf. Erst im Jahre 1705 fand der englische Astronom Edmond Halley (1656–1742) heraus, daß manche historische Kometenerscheinungen ähnliche Bahnen aufwiesen und daß ihnen ein und derselbe Himmelskörper zugrunde liegen mußte, der etwa alle 76 Jahre wiederkehrte. Halley sagte für 1759 zum ersten Mal eine Wiederkehr dieses Kometen voraus und wurde bestätigt. Seither nennt man diesen Himmelskörper den Halleyschen Kometen oder den Kometen Halley. In der Folge konnte man historische Aufzeichnungen zu Erscheinungen des Halleyschen Kometen bis zurück ins Jahr 240 v.Chr. finden. Aber den Astronomen vor Halley waren die Identität dieses Himmelskörpers und seine Periode nicht bekannt.
Noch heute sind nur von wenigen Kometen die Bahnen bekannt, so daß sie sich längerfristig vorhersagen lassen, und nur einer von ihnen – eben Halley – ist in der Regel mit bloßem Auge sichtbar. Alle anderen hellen Kometen kommen von sehr weit draußen, vom Rande des Sonnensystems. Es sind relativ kleine Himmelskörper aus gefrorenem Gas und Eis, die wegen ihrer enormen Entfernung von uns unsichtbar bleiben, solange sie nicht ins innere Sonnensystem eindringen und durch die Wärmestrahlung der Sonne einen Schweif entwickeln. Selbst die starken Fernrohre, die uns heute zur Verfügung stehen, erlauben eine Entdeckung dieser Himmelskörper oft nur wenige Wochen oder Monate, bevor sie mit bloßem Auge sichtbar werden. Zur Zeit Jesu aber gab es noch keine Fernrohre. Da waren die Kometen einfach plötzlich da. An eine Vorhersage von Kometen war zu Jesu Zeiten nicht zu denken. Die Magier konnten daher nicht vorher wissen, wann einer erscheinen würde, und es war ihnen nicht möglich, gerade zum Erscheinungszeitpunkt eines Kometen in Jerusalem anzukommen, so, wie die Geschichte vom Messiasstern es verlangt.
Gegen einen Kometen als Messiasstern spricht auch die Tatsache, daß aus den Jahren, um die Jesus geboren worden sein muß, keine historischen Berichte von einer Kometenerscheinung existieren. Halley selbst erschien um 12 v.Chr., kam also ein paar Jahre zu früh, um als Messiasstern in Frage kommen zu können.
Es gibt noch andere Einwände gegen die Deutung des Sterns von Bethlehem als Komet. Kometen wurden nämlich in der Astrologie nie mit der Geburt eines Königs assoziiert, sondern immer mit Unglück, meist mit dem Sturz eines herrschenden Regenten verbunden. Sehr schön schien sich dies 1066 zu bestätigen, als der Komet Halley ein eindrückliches Schauspiel gab und die Normannen England eroberten. Man kann ihn z.B. auf dem Teppich von Bayeux bewundern, auf dem dieses wichtige historische Ereignis dargestellt ist.
Noch heute bewirken Kometen eher Angst. Ein Beispiel dafür liefert die Endzeitstimmung und der Massenselbstmord der Heaven’s-Gate-Sekte beim Erscheinen des Kometen Hale-Bopp 1997. Anderseits pflegen gerade Astrologen Kometen wenig Aufmerksamkeit zu schenken, weil sie sie nicht zu deuten wissen. Es war vor allem die Presse, die damals Unheil heraufbeschwor, indem sie bereitwillig Unheilsprophezeiungen von Spinnern abdruckte, die das Licht der Öffentlichkeit suchten.[2] Auch antike Astrologen dürften bekannten und eindeutig interpretierbaren Himmelskonstellationen mehr Aufmerksamkeit geschenkt haben als seltenen und unverständlichen.
Nach anderen Theorien war der Messiasstern eine Nova oder Supernova, also ein plötzlich erscheinender „neuer Stern“, der bis dahin am Himmel nicht zu sehen gewesen war. In Wahrheit handelt es sich hierbei nicht um Sternentstehungen, sondern um Sterne, die sehr weit entfernt und normalerweise nicht sichtbar sind, aber durch Explosion ihre Helligkeit für einige Zeit so sehr steigern, daß sie fürs menschliche Auge sichtbar werden. Übrigens könnte im Prinzip auch ein naher und sichtbarer Stern als Supernova explodieren, und die dabei freiwerdende Strahlung könnte das Leben auf der Erde sogar gefährden. Für die nächsten Jahrmillionen ist solch ein Ereignis aber nicht zu erwarten.
Im Jahre 1604 beobachtete Johannes Kepler eine Supernova, die zufällig gerade in der Nähe einer Jupiter-Mars-Saturn-Konjunktion erschien. Er erinnerte sich einer alten Theorie des Aristoteles, der gemäß neue Sterne oder Kometen durch Konjunktionen von drei oder mehr Planeten hervorgerufen werden können. Kepler berechnete, daß sich eine Konjunktion von Jupiter, Saturn und Mars auch im Jahre 7 v.Chr. ereignet hatte, und spekulierte, daß damals durch diese Konjunktion vielleicht ebenfalls eine Nova ausgelöst wurde. Diese Nova wäre dann vielleicht der Messiasstern gewesen. Heute wissen wir, daß Kepler mit solchen Überlegungen betreffend Novae und Kometen völlig auf dem Holzweg war und in Wahrheit keinerlei Zusammenhang zwischen Novae und Planetenpositionen besteht.
Als Kandidaten für den Stern von Bethlehem kommen Novae genau wie Kometen deshalb nicht in Frage, weil sie im Voraus nicht berechenbar sind. Hinzu kommt, daß die antiken Astrologen sich für Novae so wenig interessierten wie die heutigen. Als im Jahre 1987 eine Supernova erschien, erregte diese unter Astronomen großes Aufsehen. Die Astrologen aber ließ sie kalt, denn in der Horoskopdeutung wußten sie damit nichts anzufangen.[3]
Laut chinesischen Aufzeichnungen hat es zwar in den Jahren 5 und 4 v.Chr. Novae gegeben. Da griechische und römische Autoren sie nicht erwähnen, waren sie aber wohl eher unspektakulär. Die eine davon erschien zwischen dem 10. März und 7. April 5 v.Chr. nahe der Ekliptik auf etwa 6° Steinbock im tropischen Tierkreis der Astrologen. Die Winkeldistanz der Nova von der Sonne (Elongation) betrug zwischen 70° und 100° und war somit zu groß, als daß es sich um einen heliakisch aufgehenden Stern handeln konnte.
Die andere chinesische Nova erschien am 24. April 4 v.Chr (astronomisch -3), ebenfalls nahe der Ekliptik, auf ca. 25° Schütze (im tropischen Tierkreis). Die Elongation des Sterns ist hier noch größer. Es konnte sich also auch hier nicht um einen heliakisch aufgehenden Stern handeln.
Abgesehen davon passen Novae und Supernovae auch deshalb nicht gut auf den Bericht vom Messiasstern, weil, wie wir gesehen haben, der Stern des Messias Bewegungen und Stationen zu machen scheint. Ein Planet paßt hier viel besser.
Auch Werner Papkes Theorie kommt aus all diesen Gründen nicht in Betracht. Papke deutet den Stern des Messias im Zusammenhang mit der apokalyptischen Frau von Offenbarung 12, die mit der Sonne bekleidet ist, den Mond unter ihren Füßen hat und einen Knaben gebärt. Er identifiziert diese Gestalt, die zum Vorbild zahlreicher Mariendarstellungen wurde, mit einem babylonischen Sternbild namens Erua, das zwischen dem Löwen und der Jungfrau (Virgo) steht und seinen Kopf im Sternbild der Jagdhunde (Canes venatici) hat. Der Stern des Messias soll eine Supernova im Schoß der Erua, in der Konstellation Haupthaar der Berenike (Coma Berenices), gewesen sein. Abgesehen von den genannten Gründen, die gegen Supernovae sprechen, ist hier zu bemängeln, daß in der von Papke angegebenen Himmelsgegend keine Phänomene identifiziert werden können, die auf eine ehemalige Supernova zurückgehen.[4] Zudem haben sich mesopotamische Astrologen zur Zeit Jesu, genau wie ihre griechischen Kollegen, nur für die traditionellen 12 ekliptikalen Sternbilder interessiert, also z.B. für die Jungfrau (Virgo), aber gewiß nicht für Erua.
Auf eine interessante Planetenkonjunktion um die Zeit von Jesu Geburt hat Roger Sinott hingewiesen.[5] Im Juni 2 v.Chr. ereignete sich eine ungewöhnlich enge Konjunktion zwischen Venus und Jupiter. Die beiden Planeten, die hellsten Himmelskörper nach Sonne und Mond, näherten sich einander so stark an, daß sie für das Auge zu einem einzigen Stern verschmolzen. Solch ein Ereignis ist sehr selten. Meist ziehen die Planeten im Abstand von einigen Graden aneinander vorbei, also in einer Distanz, die mehreren Durchmessern des Mondes entspricht. So übrigens auch im Falle der berühmten Jupiter-Saturn-Konjunktion im Jahre 7 v.Chr., auf die sich der Messiasstern zufolge einer sehr populär gewordenen Theorie bezieht. Von Europa aus war im 20. Jahrhundert z.B. keine einzige Planetenverschmelzung zu beobachten.[6] Am 17. Juni 2 v.Chr. um 18:16 Uhr Weltzeit[7] aber näherten sich – von Palästina aus sichtbar – Jupiter und Venus bis auf 26 Bogensekunden aneinander an, d.h. bis auf etwa 1/30 des scheinbaren Durchmessers des Mondes. Da das menschliche Auge eine Auflösung von etwa einer Bogenminute hat, verschmolzen die beiden Planeten optisch miteinander. Bei genauer Rechnung erweist es sich sogar, daß die Planetenscheiben sich ein wenig überlappten.
Für damalige Sternkundler muß dies natürlich ein sehr bedeutsames Ereignis gewesen sein, und auch seine näheren Umstände mochten die Geburt eines Königs, und somit des Messias, assoziieren. Zum einen ereignete sich die Konstellation im Löwen, also in dem Zeichen, das mit Königsherrschaft assoziiert wurde. Zweitens ereignete sie sich nur 6° entfernt von dem Stern Regulus, dessen Name „kleiner König“ bedeutet und der ebenfalls mit Königsherrschaft assoziiert wurde. Und drittens gilt Jupiter selbst als König der Götter und somit als „Königsplanet“. Eine Konjunktion zwischen ihm und der Venus mochte auch einen „König (Jupiter) der Liebe (Venus)“ bedeuten – eine Bezeichnung, die irgendwie auf Jesus zu passen scheint, auch wenn die Liebe der Venus nicht wirklich mit der christlichen Nächstenliebe identifiziert werden kann. Auf jeden Fall aber ist anzunehmen, daß dieses himmlische Ereignis auch in der antiken Astrologenszene für Aufregung gesorgt hat.
War die Vereinigung von Venus und Jupiter also der Stern des Messias? Vielleicht ist dies überhaupt die attraktivste Erklärung, die je für den Stern von Bethlehem vorgeschlagen worden ist. Ernest L. Martin hat mit einem beeindruckenden Buch für sie geworben, und in den letzten Jahren haben sich viele Astronomen und Planetarien dieser Theorie angeschlossen. Die letzte Antwort hängt jedoch davon ab, wie ernst wir die Aussagen der Bibel im einzelnen nehmen wollen und dürfen. Nehmen wir sie aber ernst, so kann es sich bei der Planetenverschmelzung wohl nicht um den Geburtsstern des Messias handeln, von dem Matthäus spricht. Folgende Gründe sprechen dagegen:
– Die Venus war hierbei Abendstern, war also nicht morgens im Osten bzw. „im Aufgang“ (εν τηι ανατοληι), sondern nur am Abend im Westen vor dem Untergang sichtbar. Wir müßten also auf die attraktive Deutung von ανατολη als heliakischer Aufgang verzichten und zur traditionellen Übersetzung mit „im Morgenlande“ zurückkehren.
– Die Venus war so schnell, daß die Verschmelzung sehr kurzlebig gewesen ist. Sie dauerte nicht einmal zwei Stunden und konnte also unmöglich mehrere Tage nacheinander von den Magiern beobachtet werden.
– Die Vereinigung von Venus und Jupiter läßt sich nicht gut mit den von Matthäus beschriebenen „Tätigkeiten“ des Sterns vereinbaren. Der Stern müßte „erscheinen“ (φαινεσθαι), „vorausgehen“ (προαγειν) und „stehenbleiben“ (σταθηναι) können.
– Damalige Astronomen-Astrologen waren nicht in der Lage, solche Planetenverschmelzungen vorauszuberechnen. Unser Studium der Texte hat jedoch ergeben, daß die Magier die Erscheinung des Messiassterns vorausberechnet haben.
Auf die Aussagen der Bibel, paßt diese Lösung also nicht – so spektakulär sie ansonsten auch sein mag.
Übrigens wäre es ein Irrtum zu glauben, durch diese Vereinigung von Venus und Jupiter sei ein wesentlich hellerer und gewissermaßen neuer Stern entstanden. In Wahrheit schien Venus den Jupiter bloß zu verschlucken, ohne wesentlich heller zu werden.
Dennoch werden wir später sehen, daß diese selten enge Konjunktion in einer besonderen Verbindung mit der Geburt Jesu stehen könnte. Sie war nämlich nur die erste von drei aufeinanderfolgenden Venus-Jupiter-Konjunktionen innerhalb eines einzigen Jahres. Die mittlere davon ereignete sich ganz in der Nähe desjenigen Jesus-Geburtsdatums, auf das unsere Untersuchung uns führen wird. Die Planetenverschmelzung wird uns daher bei der Untersuchung des weiteren astronomisch-astrologischen Kontextes von Jesu Geburt wiederbegegnen.
Die meisten Messiassternforscher kümmern sich wenig um die Lehren der antiken Astrologie. Sie beschränken sich darauf, nach einem aufsehenerregenden Phänomen um die Zeit der Geburt Jesu zu suchen, das ihnen selbst als genügend würdig erscheint, so daß es die alten Astrologen mit der Geburt eines Messias in Zusammenhang gebracht haben könnten. Doch wenn man das Denken und Handwerk der alten Astrologen und der Magier des Matthäus verstehen will, kommt man nicht darum herum, die Astrologie eines Ptolemäus oder Vettius Valens zu studieren. Wir erinnern uns: Herodes und ganz Jerusalem hat am Himmel nichts Besonderes wahrgenommen, und daher rief er die Astrologen. Warum? Auch wenn der Laie am Himmel nichts Besonderes erkennen kann, mag aus der Sicht von Astrologen ein Himmelskörper eine ganz bedeutsame Stellung innehaben, und zwar im Kontext der gesamten astrologischen Himmelskonstellation. Ein astrologischer Laie hätte nicht die geringste Chance, dies zu erkennen.
Unter allen Autoren, die sich mit dem Stern von Bethlehem befaßt haben, ist mir nur einer bekannt, der sich dieser Problematik bewußt war: Michael Molnar. Er hat sich mit der antiken Astrologie eingehend auseinandergesetzt und hat versucht, in Betracht kommende Himmelsereignisse nach den Kriterien der antiken Astrologie zu bewerten. Allerdings suchte Molnar die Lösung nicht bei der Venus, sondern beim Königsplaneten Jupiter.
Molnar ist Astronom und Münzensammler. Eines Tages stieß er
auf antike Münzen des Nahen Ostens, auf denen das Sternbild Widder und
darüber ein Stern abgebildet waren. Manchmal gesellte sich zu dem Stern
hinzu auch die Mondsichel. Es leuchtet wohl unmittelbar ein, dabei an den Stern
von Bethlehem zu denken. Die Feststellung, daß nach Ptolemäus und
anderen antiken Astrologen der Widder astrogeographisch u.a. für
Palästina und den Libanon stand, schien diese Vermutung zu
bestätigen.
Stern und Mond finden wir noch heute auf vielen islamischen Flaggen. Es handelt sich dabei nach Molnars Ansicht um eine Konjunktion des Sternes Regulus mit dem Mond. Regulus galt als Stern der Könige, und nach Lehren der antiken Astrologie begünstigte eine Regulus-Mond-Konjunktion eine Königsgeburt. Nun steht Regulus allerdings nicht im Widder, sondern im Löwen. Und da auch sonst kein königlicher Stern im Widder zu finden ist, forschte Molnar nach, ob nicht Jupiter, der ja ebenfalls als Königsgestirn galt, einmal eine prägnante Stellung im Widder hatte. Molnar wurde fündig. Am 17. April 6 v.Chr. ereignete sich eine Konstellation, die nach den Lehren der antiken Astrologie aus folgenden Gründen höchst günstig für eine Königsgeburt war:
– Es gab eine enge Konjunktion von Jupiter und Mond. Tatsächlich wurde der Jupiter vom Mond sogar bedeckt.
– Jupiter hatte in diesen Tagen seinen heliakischen Aufgang (Jupiter – Sonne = 12.5°).
– Saturn ging ebenfalls der Sonne im Tageslauf voraus.
– Sonne, Jupiter und Saturn befinden sich alle im Widder, dem Zeichen Palästinas.
Die Theorie hat allerdings auch beträchtliche Schwächen:
– Molnar legt erstaunlich viel Gewicht auf die Feststellung, daß die Jupiter-Mond-Konjunktion tatsächlich eine Bedeckung Jupiters durch den Mond war. Die Jupiterbedeckung ereignete sich jedoch mitten am Tag und konnte nicht beobachtet werden.[8] Sie konnte auch nicht vorausberechnet werden. Damalige Astrologen ahnten in Wahrheit noch nicht einmal, daß sie sich ereignen könnte – im Gegensatz etwa zu Sonnen- und Mondfinsternissen.[9] Somit stellt sich die Frage, ob Molnars Datum auch unter Nichtbeachtung der Okkultation immer noch so einzigartig ist, daß nicht auch alternative, ebenso gute Königshoroskope für Jesus gefunden werden könnten.
– Ich halte es für fraglich, ob die alten Astrologen eine Okkultation als ein günstiges Zeichen gewertet hätten. Auch Eklipsen wurden ja wegen negativer Auswirkungen gefürchtet.
– Molnar hat übersehen, daß sich einen Tag nach diesem Horoskop eine Sonnenfinsternis ereignete. Mit einer solchen wurde damals gerechnet, und sie stellte kein günstiges Omen dar. Man schaute dem Datum also wohl eher mit zwiespältigen Gefühlen entgegen. Die Finsternis war zwar bei nur 2% Abdeckung von Palästina aus nicht beobachtbar. Schon eher von Rom aus, wo sie eine Bedeckung von 33% erreichte. Doch grundsätzlich war dies ganz sicher kein günstiges Datum.
– Die ansonsten günstige Konstellation konnte von den Magiern im Prinzip zwar vorausberechnet werden, doch nur unter sehr großem Aufwand, den damalige Astrologen mit Sicherheit nicht betrieben haben. Selbst heute noch, wo Ephemeriden (Planetenpositionstabellen) mit Aspektarien oder gar Computer den Astrologen die Arbeit sehr erleichtern, suchen diese nicht nach künftigen günstigen Konstellationen mit der Sorgfältigkeit und Komplexität, mit der Molnar die Konstellation vom 17. April 6 v.Chr. beschreibt. Im besten Fall beobachtet man bevorstehende Konjunktionen langsamer Planeten oder ihre sogenannten Ingresse in neue Zeichen.
– Die Münzen könnten auch den König von Palästina bedeuten, ohne daß ihnen eine reale Konstellation in Widder zugrunde lag. Das für Palästina stehende Widdersymbol wäre einfach mit der Königskonstellation Stern/Mondsichel kombiniert worden.
– Auch Molnars Auffassung, daß der Stern bei der Mondsichel den Regulus darstellt, ist zu widersprechen. Man findet das Symbol in uralten mesopotamischen Darstellungen, wo sich der Stern nur auf die Göttin Ischtar-Inanna bzw. auf die Venus beziehen läßt. Mondsichel und Venusstern kommen auch in sumerischen Königshymnen vor. Die Texte handeln von einer sexuellen Vereinigung des Königs, symbolisiert durch den Mond, mit der Göttin Ischtar zum Neujahrsneumond im Frühling (Heilige Hochzeit). Durch diesen Akt erhält der König seine Legitimation und Macht. Diese uralte Symbolik war sämtlichen alten Völkern des vorderen Orients bekannt, auch noch in neutestamentlicher Zeit. Die Mondsichel beim Stern auf Molnars Münze deutet also einen Neujahrsneumond an. Der Widder daneben dürfte sich auf das Sternbild Widder beziehen, in welchem zur Zeit Jesu der Frühlingsneumond erschien. Dieses Sternbild wurde dem Gott Tammuz, dem Liebhaber der Ischtar und mythischen König, zugeordnet. Der Stern ist die Venus. Die Bedeutung der Symbolik ist somit klar: Der Widder mit dem Stern und der Mondsichel steht für eine von den Göttern bzw. der Göttin legitimierte Königsherrschaft. Ich werde später hierauf zurückkommen.
– Wie erwähnt, beträgt bei Jupiter der Abstand zwischen dem heliakischen Aufgang und der ersten Station vier Monate. Das ist deutlich zu lang. Die Magier kommen ja schon kurz nach der Geburt bei der Notunterkunft der heiligen Familie an.
Besonders eine Theorie über den Bethlehemstern genießt unter Astronomen hohes Ansehen. Sie geht auf die erwähnten Überlegungen Keplers zur Kometen- und Novaentstehung zurück, läßt jedoch Kometen und Novae außer Acht. Ihr zufolge war der Bethlehemstern eine dreimalige Saturn-Jupiter-Konjunktion in den Fischen im Jahre 7 v.Chr. Die exakten Konjunktionsdaten wären der 29. Mai, der 1. Oktober und der 5. Dezember 7 v.Chr.
Tatsächlich ist eine dreifache Jupiter-Saturn-Konjunktion in den Fischen ein relativ seltenes Ereignis, und sie paßt auch astrologisch gut zur Geburt eines „Königs der Juden“. Jupiter hat mit Königtum und Führerschaft zu tun, und Saturn, der Gesetzesplanet, läßt sich sehr gut mit dem jüdischen Volk assoziieren. Der Feiertag bzw. Gebetstag der Juden ist ja der Samstag, der Saturntag (vgl. engl. Saturday).[10] Das alltägliche Leben der orthodoxen Juden ist sehr stark durch Verbote und religiöse Vorschriften geregelt, somit, astrologisch gesehen, durch Saturn geprägt. In Amos 5,26 erscheint der Planet Saturn als Götze der Juden.[11] Die Konjunktion fand zudem in der Mitte des Fischezeichens statt. Zumindest in der heutigen Astrologie haben die Fische mit Religion zu tun – in der damaligen war dies nicht so klar. Jupiter in den Fischen mochte aber von daher u.a. auch Symbol für einen religiösen Führer sein.
Der Vertreter dieser Theorie, Ferrari d’Occhieppo, argumentiert allerdings zu Unrecht, daß Palästina sich astrogeographisch etwa in der Mitte des dem Fischezeichen zugeordneten geographischen Gebietes befinde, das von Unterägypten bis nach Mesopotamien reiche. Wenn man nämlich bei Claudius Ptolemäus (Tetrabiblos 2.3) oder Vettius Valens (Anthologie 1.2) nachliest, so erfährt man, daß Libanon und Palästina dem Widder zugeordnet wurden, während für die Fische Gebiete der heutigen Türkei und Nordafrikas aufgelistet werden. Diese Zuordnung verwendet, wie wir gesehen haben, auch Mike Molnar bei der Deutung seiner Münzen aus Antiochia, auf denen Stern, Mondsichel und Widder – nicht die Fische – abgebildet sind.
Ich meine nun, daß die Jupiter-Saturn-Theorie sehr schlecht zum Matthäustext paßt. Kann es sich wirklich um eine Konjunktion handeln, wenn bei Matthäus doch nur von einem Stern die Rede ist? Standen die beiden Planeten so nahe beieinander, daß sie zu einem einzigen Licht verschmolzen? Keineswegs. Jupiter überholte den Saturn seitlich. Auch zu den „exakten“ Konjunktionszeiten von Jupiter und Saturn[12] standen die beiden Himmelskörper in ekliptikaler Breite ein gutes Grad voneinander entfernt. Ein Abstand von einem Grad entspricht aber zwei ganzen Vollmonddurchmessern. Folglich waren sie keineswegs als ein Körper sichtbar, auch nicht für stark Kurzsichtige, sondern erschienen als zwei ziemlich weit voneinander entfernte Lichtpunkte.
Man müßte also schon annehmen, daß der Sachverhalt in der mündlichen Tradition vor der schriftlichen Fixierung extrem vereinfacht oder verfälscht wurde. Eine Konjunktion könnte im Laufe der Jahre von Laien vielleicht schon als das Verschmelzen zweier Planeten zu einem einzigen Gestirn mißverstanden worden sein. Aber auf jeden Fall besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen dieser Theorie und den Aussagen des Matthäus.
Auch die Rede vom „Erscheinen“ des Sterns paßt nicht zur Art und Weise, wie eine Planetenkonjunktion sich entwickelt. Eine Konjunktion „erscheint“ (phainesthai) nicht, sondern sie bildet sich, entsteht, kommt zustande. Ein angemessenes griechisches Wort wäre z.B. gignesthai, „werden“ gewesen (nicht phainesthai!). Weiter war die Konstellation bei ihrem ersten Exaktwerden am 29. Mai kein ausgeprägtes Phänomen des Morgen- und Osthimmels mehr. Und schließlich kann das „Erscheinen“ auch keinen heliakischen Erstaufgang der Konjunktion meinen. Denn als die beiden Planeten im Osten erschienen, waren sie von einer Konjunktion noch weit entfernt. Saturn wurde erst mehrere Wochen nach Jupiter sichtbar.
Könnte der Stern von Bethlehem eine sechseckige Aspektfigur gewesen sein? Wenn sechs Himmelskörper jeweils 60° voneinander entfernt sind, also jeweils in einem Sextil zueinander stehen, bilden sie ein Sechseck. Zeichnet man in einem solchen Horoskop gleichzeitig die Trigone, also die 120°-Winkel ein, so erhält man zwei gleichseitige Dreiecke, die miteinander ein Hexagramm bzw. einen Davidstern bilden. Könnte der Stern von Bethlehem eine solche Aspektfigur, gewesen sein?[13]
Meines Wissens wird diese Theorie nur von Esoterikern vertreten. In einem gechannelten Text von White Eagle aus dem Jahre 1930 heißt es:
Der Stern ist das Symbol des vollkommenen Lebens, das Symbol des vollkommenen Gleichgewichts, des Christus-Menschen. Der sechsstrahlige Stern ist der Stern von Bethlehem, was wiederum heißt, der Stern des Menschensohnes.[14]
Einer konkreteren Theorie zufolge wäre eine heliozentrische Hexagrammfigur vom 2. März 5 v.Chr. (jul.) der Stern von Bethlehem.[15] Dieses Datum fällt jedoch klar außer Betracht. Zum einen wußten antike Astrologen und Astronomen noch nichts von heliozentrischen Horoskopen. Zum andern enthält dieses Hexagramm die Planeten Uranus und Neptun, die erst im 18. und 19. Jh. entdeckt worden sind.
Dennoch klingt die Idee von der davidsternförmigen Aspektfigur faszinierend. Ein nach oben und ein nach unten zeigendes Dreieck vereinigen sich – Symbol für die Verbindung des Irdischen mit dem Himmlischen. Das Sextil gilt zudem in der Astrologie als ein harmonischer Aspekt. Sechseck und sechsstrahliger Stern scheinen daher so etwas wie die vollkommene Harmonie zu symbolisieren. Die oben zitierten Worte von White Eagle leuchten unmittelbar ein.
Bevor wir uns auf die Suche nach solchen Davidstern-Horoskopen begeben, sollten wir uns den Sachverhalt theoretisch genauer überlegen. Zunächst ist zu bedenken, daß Planetenaspekte nie ganz genau sind. Die moderne Astrologie definiert sogenannte „Orben“, d.h. maximale Abweichungswerte, die zulässig sind, um einen Aspekt noch gelten zu lassen. Wählt man z.B. einen Orbis von 5°, so gilt jede Winkeldistanz im Bereich von 60° +/- 5° als Sextil. Die antike Astrologie arbeitete jedoch noch nicht mit Orben. Für sie standen Planeten dann im Sextil zueinander, wenn die Zeichen, in denen sie sich befanden, d.h. deren Anfangspunkte 60°, voneinander entfernt waren. Demnach wäre ein sechszackiger Stern dann gegeben, wenn jedes zweite Zeichen von einem Himmelskörper besetzt wäre.
Weiter ist zu berücksichtigen, daß Merkur sich von der Sonne nur maximal etwa 28° entfernen kann, die Venus maximal 45°. An einem Sechseck oder Davidstern werden also nicht alle diese drei Körper teilnehmen können. Sie können es allenfalls, wenn sie miteinander in Konjunktion stehen. Befindet sich die Sonne an einer Spitze des Sterns, so kann Merkur nicht an einer anderen Spitze stehen, sondern allenfalls an derselben wie die Sonne. Ob die Venus an einer anderen Zacke des Sterns stehen kann als die Sonne, hängt davon ab, wie genau man den Stern haben will. Wie gesagt, nahmen antike Astrologen Aspekte nicht so genau. Für sie war ein Sextil bereits dann gegeben, wenn die Tierkreiszeichen, in denen sich die beiden beteiligten Planeten befanden, im Sextil zueinander standen. Sonne und Venus bildeten somit dann ein Sextil, wenn sie nicht im gleichen und nicht in benachbarten Tierkreiszeichen standen. Aus alledem ergibt sich, daß, sofern die Sonne am Stern teilnehmen soll, nur folgende Planetenkombination denkbar ist:
Sonne – Mond – Venus – Mars – Jupiter – Saturn
Dabei wird ein Ungenauigkeits-Orbis von 15° toleriert, was, wie gesagt, für antike Astrologen akzeptabel war.
Verzichtet man darauf, die Sonne an einer Zacke des Sterns zu haben, so können Merkur und Venus je eine verschiedene Zacke einnehmen. Ihre maximalen Elongationen von 28° und 45° summieren sich ja zu 73°, was größer ist als 60°. Die Planetenkombination ist dann wie folgt:
Mond – Merkur – Venus – Mars – Jupiter – Saturn
Hier ist hohe Genauigkeit der Aspektfigur im Prinzip möglich, jedoch, wie gesagt, für die antike Astrologie nicht notwendig. Aus den Beispielhoroskopen des antiken Astrologen Vettius Valens wissen wir auch, wie ungenau damals gerechnet wurde. Bei Jupiter und Saturn gibt es häufig Berechnungsfehler von über 10°.[16]
Im Prinzip könnten jeweils eine oder zwei Zacken des Sterns auch durch die beiden Mondknoten eingenommen werden. In der antiken Astrologie wurden die Mondknoten genauso verwendet wie in der modernen. Daraus ergäben sich wesentlich mehr mögliche Kombinationen. Doch wäre ein von den Mondknoten abhängiger Stern offensichtlich minderwertig.
Im Zeitrahmen von 10 v.Chr. bis 5 n.Chr. gibt es ein einziges Datum mit einem sechsstrahligen Stern, der die oben beschriebenen Bedingungen erfüllt, der 20./21. Nov. 5 v.Chr.: Saturn befindet sich im Widder, Jupiter in den Zwillingen, der Mond im Löwen, Venus in der Waage, Merkur im Schützen und Mars im Wassermann.[17]
Die Aspektgenauigkeit ist miserabel. Der ungenaueste Aspekt, die Verbindung zwischen Mars und Venus, sollte eigentlich ein Trigon (120°) sein, ist jedoch eher ein Quadrat (96° ≈ 90°). Der Fehler beträgt rund 24°. Davidsterne dieser minderwertigen Qualität sind auch nicht besonders selten. Wesentlich genauer wäre die Konstellation am 19. Juli 17 n.Chr. gewesen. Der ungenaueste Aspekt in der Figur weicht hier von seinem Idealwert um nur gerade 9° ab. Vergleichbar exakte Davidsterne sind ziemlich selten.[18]
Der für Jesu Geburt in Frage kommende Davidstern vom 20./21. Nov. 5 v.Chr. gehört also bei weitem nicht zu den besten. Aber da die Exaktheit von Aspekten für antike Astrologen keine Rolle spielte, ist dies kein Argument dagegen, daß der Stern von Bethlehem ein Davidstern gewesen sein könnte. Bedeutsamer scheint die Feststellung, daß Davidsterne, wenn man auf Genauigkeit verzichtet, gar nicht besonders selten sind.

Nicht sehr genaue
Davidstern-Aspektfigur vom 20. Nov. 5 v.Chr. (-4). Die Verbindung zwischen Venus
und Jupiter ist zu ungenau, um bei den dieser Zeichnung zugrundegelegten Orben
noch eingezeichnet zu werden. Die Verbindung zwischen Venus und Mars ist eher
ein Quadrat als ein Trigon. Dennoch hätte diese Figur unter damaligen
Astrologen wohl als ein vollständiges Sechseck gegolten.
Anstelle des Hexagramms oder Davidsterns könne man auch ein Pentagramm als Stern des Messias in Betracht ziehen. Interessant an dieser Figur ist ihre symbolische Verbindung mit der Venus und alten Fruchtbarkeitsgöttinnen des Nahen Ostens. Von diesen hat nämlich auch die Gestalt der Jungfrau Maria viel geerbt.[19] Weiter ist zu bedenken, daß in der Magie die fünf Strahlen des Pentagrams den fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn zugeordnet werden.[20] Am 16. Aug 5 v.Chr. (Aspektfehler < 9.8°) und am 16. März 2 n.Chr. (Aspektfehler < 7.1°) formten sich Pentagramme, die es wert waren, als solche betrachtet zu werden. Doch schwer wiegt der Einwand, daß das Pentagramm und der Quintilaspekt (72°) in der Astrologie der Antike nicht gebräuchlich waren. Dasselbe gälte auch für das Septil (51°25’43“) und das Oktil (45°), aus denen sich im Prinzip sieben- und achtstrahlige Sterne bilden ließen. Hier müßte man jedoch die Mondknoten an der Figur beteiligen, da es ansonsten für vielen Zacken der Sternfiguren nicht genügend Planeten gibt.
Bleibt die Frage, ob eine sternförmige Aspektfigur zu den Aussagen der Bibel über den Stern des Messias passen würde. Ich würde diese Frage abschlägig beantworten. Die Aussage, daß der Stern den Magiern vorausging und irgendwann stehenblieb, findet keine Erklärung. Die schöne Interpretation vom „Erscheinen“ des Sterns im Osten als heliakischer Aufgang kommt auch nicht in Betracht. Keine einzige Aussage der Bibel scheint mir darauf hinzudeuten, daß der Stern von Bethlehem eine sternförmige Aspektfigur sein könnte.
© 2008
Dieter Koch, Zürich
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aus:
Dieter Koch
Der Stern von Bethlehem
ISBN: 978-3-931806-08-8, 157 Seiten
[1] Origenes, Contra
Celsum, I,58.
[2] Man vergleiche die Zeitungsmeldungen von damals mit den
Ausgaben der Astrologiezeitschriften Astrologie Heute und Meridian.
[3] Ich verweise auch hier auf die
Astrologiezeitschriften Astrologie Heute und Meridian.
[4] Papke hat auf diesen Einwand in einem im Internet
publizierten Artikel reagiert (http://kahal.de/017-WP-ZDM.pdf). Er beruft sich
auf intergalaktische Staubwolken im großen Galaxienhaufen von Coma Berenices, die 1997 durch finnische
und deutsche Wissenschaftler entdeckt wurden. (www.esa.int/esaCP/
Pr_37_1997_i_EN.html). Diese Staubwolken, so Papke, könnten die Entdeckung
von Resten der Supernova behindern. Dies würde jedoch bedeuten, daß
Papkes Supernova sich nicht in unserer Galaxie sondern im Coma-Galaxienhaufen
ereignet hätte. Doch eine so ferne Supernova wäre von
bloßem Auge hier auf Erden nicht sichtbar gewesen. Eine Supernova kann
zwar etwa die Helligkeit einer ganzen Galaxie erreichen, doch selbst die
hellsten Galaxien des Coma-Haufens lassen sich nur mit einem Amateur-Fernrohr
beobachten.
[5] Sinnott, Roger, „Thoughts on the Star of
Bethlehem“, in: Sky and Telescope,
Dezember 1968, S. 384–386.
[6] Die nächste von Europa aus beobachtbare
Verschmelzung wird die Merkur-Mars-Konjunktion vom 23.8.2032 um 4:24 Uhr
Weltzeit sein. Die letzte, die von Europa aus gesehen werden konnte, war die
Venus-Jupiter-Konjunktion vom 21.7.1859 um 3:47 Weltzeit.
[7] gregorianisch, bzw. am 15.6. julianisch (JD(ET)
1720860.36854624), Berechnung aufgrund der JPL-Ephemeride DE406.
[8] zwischen 11:53 und 13:05 Ortszeit (= 9:33 –
10:44 UT) für Bethlehem, 35E12, 31N42
[9] Zwar konnten sie auch Finsternisse nicht mit
Sicherheit voraussagen, aber sie wußten jedenfalls genau voraus, an
welchen Tagen sie sich ereignen konnten
und in welchen Zeiträumen eine solche Gefahr nicht bestand. Für
Planetenbedeckungen war dies damals nicht möglich.
[10] vgl. Tibull 1,3,18; Tac. Hist. 5,4; Frontinus, Strategemata
2,1,17; Dio. C. 37,17f.
[11] s. Elberfelder Bibel, Anmerkung; ferner
Apostelgeschichte 7,43. Es wird der babylonische Planetenname Kijun = Kaiwan =
Rhaiphan = Saturn verwendet.
[12] nach ekliptikaler Länge
[13] Ich danke Wolfgang von Ungern-Sternberg für den
Hinweis auf diese mögliche Lösung für den Stern von Bethlehem.
[14] „The Star is the symbol of the perfect life, the
perfect balance, of the Christ-man. The six-pointed star is the Star of
Bethlehem, which again means the Star of the Son of man.” (gemäß
http://www.gaiamind.com/m-star.html, ohne Angabe der Quelle)
[15]
http://www.aloha.net/~johnboy/pageone.htg/pageone.htm. Die Theorie wurde zuerst publiziert in: John Charles Webb, Jr., „In
Pursuit of the Birth-Chart of Jesus“, December 2000, Dell Horoscope
Magazine.
[16] nach meinen eigenen Untersuchungen
[17] Ob wir den tropischen oder einen siderischen
Tierkreis verwenden spielt dabei keine Rolle.
[18] Folgende Liste zeigt die besten Davidstern-Aspektfiguren
zwischen 1000 v.Chr. und 2000 n.Chr.:
20. Dez. 966
v.Chr. (-965) (9.3)
1. Juli 755 v.Chr. (-754) (9.3)
27. Dez. 381
v.Chr. (-380) (6.5)
* 28. Sept. 183 v.Chr. (-182) (8.4)
19. Juli 17 (9.0°)
* 29. Nov. 207
(8.0°)
*
5. Juli 429
(7.0°)
*
3. Okt. 493 (9.9°)
9. Jan. 673 (9.4°)
12.
Feb. 684 (8.8°)
Die Daten sind
wie üblich im julianischen Kalender angegeben. Die Gradzahlen in Klammern
besagen, wie stark der ungenaueste Aspekt in der Figur von seinem Idealwert
abweicht. Asterisken (*) zeigen an, daß die Bedingung, daß die an
der Aspektfigur beteiligten Planeten nur jedes zweite Zeichen besetzen
dürfen, nicht erfüllt ist.
Bezugssystem ist der tropische Tierkreis.
Hingegen bei
dem Davidstern aus dem Jahre 5 v.Chr., den wir für Jesu Geburt in
Erwägung ziehen, haben zwei Aspekte einen Fehler von über 20°.
Derart ungenaue Figuren gibt es alle fünf bis zehn Jahre einmal.
[19] Sehr schön dokumentiert in: Silvia Schroer und
Othmar Keel, Eva – Mutter alles Lebendigen. Frauen- und
Göttinnenidole aus dem vorderen Orient, Bibel + Orient Museum,
Fribourg, 2004.
[20] So bei Eliphas Levi. Woher diese Tradition kommt, ist
mir allerdings nicht bekannt.